30.05.2016: Internationale Sommerschule zum Thema „Internationale Menschenrechte“ in Mostar, Bosnien-Herzegowina von 30. Mai bis 11. Juni 2016 (von Yvonne Eschenbacher)

Blick auf die Alte Brücke
Blick auf die Alte Brücke
Schusswunden aus dem Bosnienkrieg an Hauswänden
Schusswunden aus dem Bosnienkrieg an Hauswänden
Erinnerungen
Erinnerungen
Derwisch-Kloster Tekija
Derwisch-Kloster Tekija
Počitelj
Počitelj
Kravica Wasserfälle
Kravica Wasserfälle
Blick von oben auf die andere Seite der Stadt Mostar
Blick von oben auf die andere Seite der Stadt Mostar

„Ist das irgendwie eine Art Märchen?“ fragte eine Studentin aus Bosnien-Herzegowina am fünften Tag der Sommerschule. Wir sollten anhand ausgewählter Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte besprechen, inwiefern Menschen in ihrem Land die staatlich garantierten Rechte tatsächlich genießen können. Sicherlich, führte die Studentin fort, würden diese Rechte im Gesetz stehen, aber deren Umsetzung schien ihrer Einschätzung nach noch weit von der Lebensrealität vieler Menschen entfernt. Aber deswegen sei sie hier: um noch mehr über Menschenrechte zu lernen und um für sie zu kämpfen. Die norwegischen Studierenden führten ebenfalls eine angeregte Debatte darüber, welche Menschenrechte in ihrem Land für wen verwirklicht werden und waren doch auch manchmal überrascht …
Unsere Diskussionen bauten auf den interessanten und lehrreichen Vorlesungen der vergangenen Tage auf, welche der norwegische Professor Lars Petter Soltvedt in entspannter Atmosphäre und mit viel Expertise gehalten hatte. Wir hatten über die philosophischen Vorläufer und historischen Hintergründe der modernen Menschenrechte gesprochen. Wir lernten, wie die Vereinigten Nationen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte verabschiedeten und etliche weitere internationale Pakte und Konventionen beschlossen, um Menschenrechte weltweit zu fördern und zu schützen. Doch inwiefern sind diese internationalen Verträge rechtlich verbindlich und in welchem Ausmaß können sie Menschenrechtsverletzungen tatsächlich verhindern oder bestrafen? Zur Beantwortung dieser Fragen betrachteten wir kritisch die Mechanismen zum Schutz der Menschenrechte durch unterschiedlichen Institutionen der Vereinten Nationen und des Europarats. Im weiteren Verlauf der Sommerschule beschäftigten wir uns außerdem mit den Grundlagen des humanitären Völkerrechts. Darüber hinaus lernten wir etwas über unterschiedliche Verfahren um Straflosigkeit zu bekämpfen, beispielsweise durch Prozesse des Internationalen Strafgerichtshofs. Ein Gastprofessor aus Serbien erläuterte anhand von Länderbeispielen des ehemaligen Jugoslawien die Schwierigkeiten, Kriegsverbrechen auf nationaler Ebene zu ahnden. Abschließend befassten wir uns mit unterschiedlichen Gerechtigkeitskonzepten und Wegen, Wahrheit und Versöhnung in einer Gesellschaft nach einem Krieg zu finden.
Im Rahmen dieser Sommerschule gab es die Möglichkeit, das Land Bosnien-Herzegowina und die Leute auf eine ganz besondere Art und Weise kennenzulernen. Beim gemeinsamen Kaffeetrinken in der Freizeit erfuhren wir viel über Lebensstile und Traditionen des Gastlandes. Es kamen im Unterricht auch sehr interessante Diskussionen über den Umgang mit der gewalttätigen Vergangenheit und den weiter andauernden interethnischen und interreligiösen Spannungen auf. „Ich will nicht den Hass älterer Generationen erben!“ sagte eine der einheimischen Studentinnen. Eine andere Studentin kritisierte den Umgang von Hilfsorganisationen, die den Menschen in Bosnien-Herzegowina vorschreiben wollten, wer sie zu sein hatten und wie sie mit ihrer Geschichte umzugehen hatten. Für mich waren die Ansichten und Erfahrungen der Studierenden aus Bosnien-Herzegowina sehr interessant, da sie persönliche Einblicke ermöglichten, die weit über das hinausgingen, was in Reiseführern geschrieben wird.
Die Sommerschule war sehr gut strukturiert und sinnvoll aufgebaut, sodass auch Studierende ohne fachliche Vorkenntnisse gut folgen konnten. Rückfragen konnten stets gestellt werden und wurden geduldig beantwortet. Trotz der kurzen Zeit konnten so viele komplexe Inhalte vermittelt und miteinander verknüpft werden. Der Unterricht fand in den Räumen der Universität statt und dauerte von 9.00 bis 12.00Uhr. Nachmittags sollten in gemischten Gruppen von einheimischen und internationalen Studierenden kleine schriftliche Ausarbeitungen vorbereitet und am nächsten Tag präsentiert werden. Darüber hinaus sollten es umfassende Lektüren gelesen werden, die aber mit genügend Durchhaltevermögen bewältigbar waren. Insgesamt kamen zwei Gastprofessoren, deren Seminar und Vorlesung sehr bereichernd. Am Ende der Sommerschule musste eine dreistündige Prüfung gemacht werden, auf die jedoch ausreichend vorbereitet wurde.
Über den Unterricht hinaus hatten die Studierende genügend Gelegenheiten, sich gegenseitig kennenzulernen und gemeinsam oder in Gruppen die Stadt und Umgebung zu erkunden. Eine engagierte Assistentin der Hochschule aus Norwegen plante diverse Freizeitaktivitäten für Studierende und stand als verlässliche Ansprechpartnerin zur Verfügung.
Insgesamt kann ich die Organisation und Durchführung der Sommerschule nur loben. Inhaltlich fand ich die Vorlesungen sehr interessant und informativ. Gerade für die Soziale Arbeit, die sich selbst in weiten Teilen als Menschenrechtsprofession  versteht, sind Grundkenntnisse zu diesem Themenbereich sehr nützlich. Für Sozialarbeitende sind Kenntnisse über Mechanismen zur Förderung und zum Schutz von Menschenrechten sehr hilfreich, um kompetent anwaltschaftlich mit und für Menschen handeln zu können, die in der Sozialen Arbeit Unterstützung suchen. Mit einem Verständnis von nationalen und internationalen Abkommen kann die Soziale Arbeit auch über den Einzelfall hinaus tätig werden und sich noch umfassender für die Einhaltung der Menschenrechte einsetzen. Sicherlich kann das vermittelte Wissen in vielen Arbeitsfeldern der Sozialen Arbeit gewinnbringend genutzt werden.
Die Teilnahme an der Sommerschule kann ich anderen Studierenden der Sozialen Arbeit unbedingt empfehlen, da sie für unsere Theorie und Praxis fachlich relevant ist. Sie bietet eine gute Möglichkeit, akademische Auslandserfahrungen zu sammeln und internationale Freundschaften zu knüpfen.

Abschließend möchte ich mich ganz herzlich bei Frau Page, Frau Dr. Herzog und Herrn Prof. Krieger bedanken. Durch sie habe ich vom Angebot unserer Partnerhochschule erfahren. Dank ihrer Bemühungen konnten die credit points in meinem Studium anerkannt werden und durch ihre Unterstützung konnte meine Teilnahme an der Sommerschule mit einem Stipendium gefördert werden. Vielen Dank!

Ilse Page, MA

Frau Ilse Page
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Herr Wolfgang Krieger

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