Boykott des CHE Hochschul-Ranking wird fortgesetzt

Der Fachbereich „Sozial- und Gesundheitswesen“ der Fachhochschule Ludwigshafen am Rhein - ehemals Evangelische Fachhochschule für Sozial- und Gesundheitswesen - wird sich auch zukünftig nicht am sogenannten ‚Hochschul-Ranking’ des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) sowie der damit verbundenen Datenerhebungen beteiligen. Wir erneuern und bekräftigen damit den Beschluss, den der Konvent der seinerzeit noch eigenständigen Ev. Fachhochschule für Sozial- und Gesundheitswesen Ludwigshafen im Januar 2008 einstimmig gefasst hatte. Zugleich fordern wir das CHE auf, seine diskriminierende Praxis zu beenden, Fachbereiche und ganze Hochschulen, die das Ranking boykottieren, in seinen Hochschulstatistiken nicht zu erwähnen. Statt die Existenz der Kritiker zu verschweigen, verlangen wir, dass diese dort mit dem Zusatz „Boykott des CHE-Rankings“ aufgeführt werden. Das bisherige Vorgehen des CHE führt nicht nur dazu, dass insbesondere  Studienanfängerinnen und -anfänger lückenhaft und tendenziös informiert werden. So fehlen auch wichtige Orientierungsmöglichkeiten im Hinblick auf die Wahl von Studienfach und Studienort. Durch das Verschweigen seiner Kritiker verzerrt das CHE zudem den Wettbewerb zwischen den Hochschulen und missbraucht seine Monopolstellung in einer Weise, die ordnungspolitisch und rechtlich fragwürdig ist.

Zur Begründung

Die Gründe für unseren fortgesetzten Boykott sind im Kern dieselben geblieben, wie sie bereits der Resolution von 2008 zugrunde lagen. Die einseitige hochschulpolitische Ausrichtung des CHE hat sich nicht verändert. Es transportiert einen Bildungsbegriff, der vornehmlich an marktwirtschaftlichen Leitsätzen, nicht aber an Kriterien gesellschaftlicher Nützlichkeit orientiert ist. Dies lehnen wir ab. Zudem sind methodische Zweifel an der Repräsentativität der für das Ranking erhobenen Daten sowie an der Validität ihrer Interpretation bis heute nicht ausgeräumt. Mit der Gründung des CHE im Jahr 1994 verbanden Bertelsmann-Stiftung und Hochschulrektorenkonferenz (HRK) das Ziel, dass die Hochschulen in Deutschland sich stärker marktorientiert und wettbewerblich modernisieren. Aus Körperschaften des öffentlichen Rechts, die sich selbst verwalten, sollen ‚unternehmerische Hochschulen’ werden, die nach den Regeln marktvermittelter Konkurrenz um Qualität und Ansehen ringen. Im Wettbewerb sollten sie ihre Leistungsfähigkeit entwickeln, dabei ihren Ressourceneinsatz
wirtschaftlich und ihre eigene Organisation eigenverantwortlich gestalten.
In der Praxis bedeutet dies: Wachsende Intransparenz der Studiermöglichkeiten und –bedingungen und ineffiziente Konkurrenzen auf dem Ausbildungsmarkt unter den Hochschulen. Demokratische Strukturen innerhalb der akademischen Selbstverwaltung werden zunehmend durch zentralistische Management- und Direktionsstrukturen ersetzt. Sogenannte Hochschulräte, die zumeist überproportional mit externen VertreterInnen aus Unternehmen und Wirtschaftslobby besetzt sind, übernehmen zentrale Steuerungsfunktionen, während es den gewählten Gremien der Selbstverwaltung überlassen bleibt, ihre knappen Budgets zu bewirtschaften und die Auswirkungen fehlenden Personals zu kompensieren.

Auf diesem Marsch in die ‚unternehmerische Hochschule’ kommt dem CHE-Hochschul-Ranking eine zentrale und öffentlichkeitswirksame Bedeutung zu. Hochschulen und Studiengänge werden nach Qualitätskriterien in einer hierarchischen Ordnung platziert, die vor allem durch das CHE selbst im Zuge der Auswahl und Interpretation von Daten definiert wird. Diese werden dann zu ‚Argumenten’ im Wettbewerb um die ‚besten’ Forschenden, Lehrenden und Studierenden – und um Geld.

So trägt das CHE-Ranking dazu bei, die vorgeblich zu untersuchenden Qualitätsunterschiede selbst herzustellen und zu verfestigen: Negativ bewertete Hochschulen und Studiengänge laufen Gefahr, rückläufige Zahlen bei den BewerberInnen zu verzeichnen, infolge dessen (noch) weniger Gelder – insbesondere im Falle von Studiengebühren – zu erhalten, im nächsten Ranking dann erneut weiter abzusacken usw. – ein unheilvoller Prozess. Das Ziel, für Studierende an allen Hochschulstandorten vergleichbar gute Bedingungen
zu schaffen, wird der kruden Idee von ‚Bildung als Ware’ geopfert. Am Ende
wird es einige ‚exzellent’ ausgestattete Hochschule für wenige auf der einen Seite geben und viele auf der anderen Seite, die vor allem damit beschäftigt sind, ihre Mittellosigkeit und schlechte Studienbedingungen zu verwalten, unter denen eine Mehrheit von Studierenden und Lehrenden zu leiden hat.
Methodisch ist insbesondere die mangelnde Transparenz der Vorgehensweise  des CHE bei der Datenerhebung zu kritisieren. Es fehlen z.B. Informationen über die Stichprobenzusammensetzungen, die für die Beurteilung der  Repräsentativität der Ergebnisse relevant sind (z.B. Zahl oder sozio- demografische Struktur der Befragten). Es bleibt unklar,
ob oder wie Evaluationsergebnisse in das Ranking einfließen, bei denen man – etwa aufgrund geringer Fallzahl – nicht von repräsentativen Resultaten  ausgehen kann.

Fallzahlprobleme können insbesondere dann auftreten, wenn Teile des standardisierten CHE-Fragebogen sich nicht auf die Besonderheiten einer Hochschule oder eines Studiengangs beziehen lassen. Bei solchen Passungsproblemen sieht das CHE nur die Ausweichkategorien "kann ich nicht beurteilen" und "nicht vorhanden" vor. Unklar bleibt, wie solche Antworten in die Bewertung einfließen. Klar ist hingegen, dass CHE keine wirkliche Analyse der Ursachen für qualitative Unterschiede zwischen Hochschulen liefert. Diese würde voraussetzen, dass auch Faktoren wie z.B. die personell wie finanziell unterschiedliche Ausstattung der Hochschulen, deren Größe oder die Zusammensetzung der Studierendenschaft betrachtet werden. So werden kritisch sozialisierte Studierende sehr wahrscheinlich auch in Evaluationen  kritischer urteilen als andere, mit denen sie dann aber verglichen werden. So kann dann eine gute Lehre u.U. gegen sich selbst gewendet werden.

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