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„Internationale Studierende an der Hochschule Ludwigshafen - Chance und Herausforderung für Hochschule und Region“

Im Rahmen der Diversity Tage fand am Dienstag, 10.10.2017 eine Veranstaltung zum Thema „Internationale Studierende an der Hochschule Ludwigshafen - Chance und Herausforderung für Hochschule und Region“ statt.

Dr. Pineda

Nach der Begrüßung durch Frau Prof. Dr. Elke Raum, Gleichstellungsbeauftragte und Leiterin der Koordinierungsstelle Chancengleichheit und Vielfalt der Hochschule Ludwigshafen und Herrn Prof. Dr. Andreas Gissel, Vizepräsident für Internationale Angelegenheiten der Hochschule Ludwigshafen erläuterte Herr Dr. Pineda, Referent für Forschung und Studien im Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) in einem Impulsvortag die Situation ausländischer degree seeking students an deutschen Hochschulen im Hinblick auf deren Studienerfolg und die daraus resultierenden Herausforderungen an wissenschaftliches und administratives Personal.

Situation ausländischer Studierender in Deutschland und an der Hochschule Ludwigshafen

Die Anzahl ausländischer Studierender in Deutschland hat sich zwischen 1994 und 2016 mehr als verdoppelt von rund 140 000 auf 340 305. Die Zusammensetzung der Gruppe ist hinsichtlich der Herkunftsländer sehr divers. Die Quote bei den Studienabbrechern liegt ziemlich konstant bei 40 % in den Bachelorstudiengängen und damit um 25% höher als bei deutschen Studierenden. Bei Masterstudierenden lag sie 2012/13 bei 28 %.

Folgende Arbeitshypothesen werden in einer Langzeitstudie untersucht:

  • Die deutsche Sprache spielt eine zentrale Rolle bei der Bewältigung des Studiums und des Lebensalltags. Die Sprachkompetenz kann im Laufe des Studiums sogar abnehmen, ein Prozess, der durch die sozialen Medien und die Anbindung an muttersprachliche Communities unterstützt wird.
  • Die kulturelle Distanz der Bildungssysteme ist problematisch; ausländischen Studierenden fehlen angemessene Studien- und Lernstrategien.
  • Die Finanzierung des Studiums und des Lebens in Deutschland spielt eine große Rolle, vor allem, weil ausländische Studierende dabei ganz auf sich gestellt sind.
  • Internationalisierung existiert als Strategie der Hochschulen. Die Anwerbung von Bildungsausländern erfolgt jedoch ohne entsprechende Strukturen und Angebote zur Studienbegleitung.

In der anschließenden offenen Diskussion, geleitet von Prof. Dr. Gissel, wurden die von Dr. Pineda aufgestellten Arbeitshypothesen durch die Erfahrungen an der Hochschule Ludwigshafen von verschiedenen Seiten beleuchtet.

Stéphane Djiomou Tonga, Studierender der Hochschule stellt die Ergebnisse einer Untersuchung unter Studierenden der Hochschule zu ihren Erfahrungen und Problemen mit der Vorlesung „Grundlagen Recht“ vor: 1. Doppelt so viele ausländische Studierende wie deutsche bestanden die Klausur innerhalb von 3 Versuchen nicht infolge hoher fachsprachlicher Barrieren 2. Doppelt so hohem Zeitaufwand für die Klausurvorbereitung wie für jede andere Klausur 3. Zeitpunkt der Vorlesung und Klausur im 1. Semester, während man sich an die neue Bildungsumgebung gewöhnen muss.

Frau Page vom Bereich Internationale Angelegenheiten wies auf das studienbegleitende Angebot und die verschiedene Schwierigkeiten hin, wie auf die fehlende Verankerung im Curriculum, die eine Teilnahme nicht wichtig erscheinen ließe und auch eine organisatorische Hürde darstelle. Nur durch das Projekt STAIR sei es gelungen, ein Zeitfenster von 2 Stunden an einem Nachmittag für alle Erstsemester der grundständigen betriebswirtschaftlichen Bachelorstudiengänge freizuhalten. Trotzdem nehmen ausländische Studierende zusätzliche Angebote an der Hochschule kaum wahr u.a. auch, weil sie keine „Extrawurst“ sein möchten. Erfolgversprechend in dieser Hinsicht ist nur eine recht persönliche und intensive Betreuung.

Laurent Mbakop, Absolvent der Hochschule Ludwigshafen wies darauf hin, dass eine Einführung in die deutsche Lehr- und Lernkultur vor dem Studium stattfinden müsse, also etwa in den studienvorbereitenden Deutschkursen und den Studienkollegs. Zudem hob er hervor, dass Bildungsausländerinnen sich nicht immer als Opfer des deutschen Bildungssystems und Arbeitsmarktes sehen sollten. Auch deutsche Absolventen hätten Probleme bei der Arbeitsplatzsuche. Und schließlich sei es auch nicht Aufgabe der Hochschule, Bildungsausländern ein Netzwerk deutscher Kommilitoninnen und Freunde bereitzustellen – dafür müssten die Studierenden schon selbst sorgen.

Integration ausländischer Studierender und Absolventinnen in den regionalen Arbeitsmarkt

Ein zweiter Aspekt der Veranstaltung war die Frage der Integration ausländischer Studierender in den regionalen Arbeitsmarkt.

Frau Pandza, Geschäftsführerin Operativ der Agentur für Arbeit Ludwigshafen führte aus, dass der Arbeitsmarkt auch in unserer Region sektorenspezifisch einen Arbeitskräftemangel aufweise, etwa in der IT Branche, der Elektrobranche und im Maschinenbau. Auf die Frage nach den Hindernissen für Absolventen aus Drittländern nannte Frau Pandza Unkenntnis und damit Vorbehalte der Unternehmen hinsichtlich der Deutschkenntnisse, sowie der ausländer- und arbeitsrechtlichen Bestimmungen vor allem seitens der KMUs.

Prof. Dr.Wengert, Professor für Personalmanagement und Maike Röschel, Bachelorandin, beide von der Hochschule Ludwigshafen am Rhein, konnten diese Aussagen nur bestätigen. Frau Röschel musste im Laufe Ihrer Bachelorarbeit zum Thema: „Die Integration von Absolventen aus Drittstaaten in den deutschen Arbeitsmarkt - eine exemplarische Analyse ausgewählter Aspekte im Rahmen des STAIR Projektes“ feststellen, dass KMUs bei der Personalauswahl nicht so sehr auf fachliche Kompetenzen achteten, denn sie gingen davon aus, dass diese bei allen Absolventen der Hochschule Ludwigshafen gleichermaßen vorhanden seien. Vielmehr wird Wert gelegt auf die traditionellen deutschen Tugenden wie Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Verbundenheit mit dem Unternehmen, Fleiß und ausgezeichnete deutsche Sprachkenntnisse.

Dem stimmte Frau Blick vom Career Service zu. Vor allem ausländische Studierende und Absolventen aus dem Studiengang Wirtschaftsinformatik hätten mit geeigneten Kenntnissen kaum Probleme auf dem regionalen Arbeitsmarkt. Generell stellte Frau Blick jedoch fest, dass der Aufwand für die Beratungstätigkeit bei Bildungsausländern um dreimal so hoch sei wie bei deutschen Kommilitonen: Ihnen fehle das Vorwissen über Struktur und Funktionieren des deutschen Arbeitsmarktes und die Erwartungen der Unternehmen an eine gute Bewerbung.

Ein komplexes Thema, bei dem es auf der einen Seite um die Überprüfung und ggf. Veränderungen bestehender Strukturen und Prozesse in Lehre und Verwaltung an den deutschen Hochschulen und Universitäten geht, wo auf der anderen Seite aber Menschen aufeinander treffen, für deren zukünftiges Miteinander auch nach individuellen Lösungen gesucht werden muss.

Im Anschluss an die Diskussion informierten ausländische Studierende aus Kamerun, China, Vietnam, Mauretanien, Marokko, Armenien und Weißrussland mit selbsterstellten Plakaten über ihre Heimatländer und luden zu einem internationalen Buffet und weiterführenden Gesprächen ein.

Kontakt

Kerstin Gallenstein, MA

Frau Kerstin Gallenstein

Leiterin Bereich Internationale Angelegenheiten
Erasmus Koordinatorin


Ernst-Boehe-Straße 4
D-67059 Ludwigshafen

A 210

+49 (0) 621/5203-187

kerstin.gallenstein@remove-this.hs-lu.de

Prof. Dr. Andreas Gissel, Vizepräsident für Internationales

Prof. Dr. Andreas Gissel
Vizepräsident für Internationale Angelegenheiten

andreas.gissel@remove-this.hs-lu.de